wir
reden

Glück gehabt

Es fällt Menschen oftmals schwer, sich einzugestehen, dass sie einfach großes Glück hatten. Ihr Vermögen haben sie sich erarbeitet, selbst wenn es vor allem durch den Tod eines Verwandten auf dem Konto gelandet ist. Der Erfolg in Film, Musik oder Internet rührt von den eigenen Anstrengungen her und nicht davon, dass eventuell die richtigen Personen zur richtigen Zeit ein Auge auf die damals noch weitaus weniger erfolgreichen Kunstschaffenden geworfen haben. Wer am Kickertisch gewonnen hat, tat dies aufgrund der eigenen Bestleistung und nicht wegen der zwanzig Bier, die sich das gegnerische Team vorher in Rekordzeit in die neuronale Dachrinne gescheppert hat. So hält man sich fest an der eigenen Wirksamkeit und kann weitaus einfacher erklären, warum andere nicht diesen bestimmten Punkt im Leben erreichen.

Dieses Eingeständnis des Glücks geht oft mit der Erkenntnis einher, dass man nicht zu den Menschen gehört, die deutlich mehr Pech in ihrer Biografie hatten. Und das ist das nächste Problem. Man will ja weiter dazugehören. Man will nicht offen zugeben, dass man einen besseren Status hat. So erzählt Olaf Scholz, dass er noch immer zur Mittelschicht gehöre, oder die alte Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich mache, wird aus dem Sack gezaubert. Es ist natürlich nur Zufall, dass sie ihre Freundschaften weitaus seltener zu ärmeren Menschen pflegen. Man läuft sich halt so selten über den Weg, wie soll da denn etwas entstehen? Da kann man ja nun wirklich nichts dran ändern.

...weiterlesen

von Malte Küppers

Aktuelle Veranstaltungen

Lesung und Gespräch

20. Oktober

2026

19:30 Uhr

literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, 44139 Dortmund

Slata Roschal „Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet“

Wo Wellness auf Arbeit trifft. Ein Roman über Kapitalismus und Dekadenz.

Cover von Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet von Slata Roschal: Rosa Hintergrund, ein silbernes Handmikrofon steckt in Stoff und zieht Falten, schwarzer Titeltext.

Claassen Verlag

Lea Stein reist zu einem Bewerbungsgespräch ins Hotel Schillerhof Resort & Spa – ihre letzte Chance auf einen Neuanfang. Die junge Mutter hofft auf einen Job beim Literaturagenten Erwin Groß. Während Lea durch die Welt der Wohlhabenden laviert – unsicher, beobachtend, rechnend –, putzen Migrantinnen die Zimmer und halten die luxuriöse Fassade aufrecht. Erwin Groß schläft schlecht, trotz Erfolg, und sucht jemanden für die unangenehmen Aufgaben – günstig, versteht sich.

Als ein Autor tot in seinem Zimmer aufgefunden wird, ändert sich alles: Wer darf hier sein? Wer muss gehen? Und wer entfernt das Blut aus dem Teppich?
Slata Roschal erzählt mit messerscharfer Präzision von Klassenunterschieden, die sich in Trinkgeldern, gebügelten Servietten und Sitzordnungen manifestieren. Ein Roman über Menschen, die servieren, und Menschen, die sich bedienen lassen – lakonisch, bitterkomisch und von erschreckender Gegenwärtigkeit.

Slata Roschal, geboren 1992 in Sankt Petersburg, promovierte an der LMU München in der Literaturwissenschaft. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise, darunter den Bücher- Frauen-Literaturpreis und den Kunstförderpreis des Freistaates Bayern. Ihr Romandebüt „153 Formen des Nichtseins“ wurde 2022 für den Deutschen Buchpreis nominiert. 2024 erschien mit „Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten“ ihr zweiter Roman.

Veranstalter: literaturhaus.dortmund

Tickets in €: ab 5,-

Kinder- und Jugendbuch

20. Oktober

2026

16:00 Uhr

Lebendige Bibliothek, Böckenhoffstr. 12a, 46236 Bottrop

Vorlesestunde in gemütlicher Runde

Ehrenamtliche Vorlesepaten lesen Kindern ab 3 Jahren lustige und spannende Geschichten vor. Dadurch wird der Wortschatz erweitert, die Fantasie beflügelt und die Neugier geweckt.

Grafik: Lebendige Bibliothek

Ehrenamtliche Vorlesepaten lesen Kindern ab 3 Jahren lustige und spannende Geschichten vor. Dadurch wird der Wortschatz erweitert, die Fantasie beflügelt und die Neugier geweckt.

Veranstalter: Lebendige Bibliothek Bottrop

Tickets in €: frei

Buchvorstellung, Lesung und Gespräch

20. Oktober

2026

19:30 Uhr

LeseRaum in der Akazienallee, Am Handelshof 1, 45127 Essen

Arno Schmidt: Tagebücher 1957-1962

Die Veranstaltung fällt leider aus ! Buchvorstellung und Lesung mit der Herausgeberin Susanne Fischer und Jan Philipp Reemtsma.

Arno Schmidt, Foto: privat

Arno Schmidt-Abende haben eine lange Tradition in Essen, hier lebte Schmidts Verleger und Lektor Ernst Krawehl, der Schmidts Werk von „Das steinerne Herz“ (1956) bis zu Schmidts Tod 1979 verlegte und betreute. Wir laden zum sechsten Abend ein, aus Anlass der Edition der Tagebücher Arno Schmidts. Jan Philipp Reemtsma und Susanne Fischer stellen die Edition vor.

„Ich also pflege mir, alle 4, 5 Jahre, ein fertiges ›Tagesnotizbuch‹ zu kaufen […] Format 11 mal 30; wo jeglicher Tag seine Seite hat; 34 Zeilen von 10 Zentimeter Länge. Aus der Dauer der Benützungszeit ergibt sich, daß auf jeden Tag durchschnittlich 6–8 Kurzzeilen entfallen; und das hier zuständige Gesetz lautet: je länger die Eintragung, desto wertloser der Tag.“ (Arno Schmidt)

Nur eines dieser Tagesnotizbücher von Arno Schmidt ist überliefert und jetzt erstmals komplett veröffentlicht worden. Es umfasst mit den Jahren 1957 bis 1962 den Umzug der Schmidts von Darmstadt nach Bargfeld ebenso wie die Entstehung der Romane „Die Gelehrtenrepublik“ und „Kaff“ auch „Mare Crisium“ sowie der Erzählungen aus „Kühe in Halbtrauer“. Literarische Arbeit, Lektüren, Korrespondenz, Finanzsorgen, der Ehe-Alltag und die Belastungen des Umzugs – alles findet sich, äußerst verknappt, im Tagebuch wieder.

Karten sind in der Buchhandlung Proust erhältlich oder können über den Ticketlink reserviert werden.

Eine Veranstaltung im Rahmen von LITERATUR: LITERATUR!
In Kooperation mit der Arno Schmidt Stiftung, Bargfeld, gefördert von der Alfred und Claire Pott-Stiftung.

Veranstalter: Literarische Gesellschaft Ruhr e.V.

Tickets in €: 15.- / € 10.- (erm.)

Alle Veranstaltungen

Neues im Magazin

Alle Beiträge

Lesezirkel

Großes Finale im Lesezirkel mit „Paradise Garden“ von Elena Fischer

Der Lesezirkel wurde Ende 2023 eingestellt. Hier finden Sie aber noch alle Leserunden.

hier entlang