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Glück gehabt

Es fällt Menschen oftmals schwer, sich einzugestehen, dass sie einfach großes Glück hatten. Ihr Vermögen haben sie sich erarbeitet, selbst wenn es vor allem durch den Tod eines Verwandten auf dem Konto gelandet ist. Der Erfolg in Film, Musik oder Internet rührt von den eigenen Anstrengungen her und nicht davon, dass eventuell die richtigen Personen zur richtigen Zeit ein Auge auf die damals noch weitaus weniger erfolgreichen Kunstschaffenden geworfen haben. Wer am Kickertisch gewonnen hat, tat dies aufgrund der eigenen Bestleistung und nicht wegen der zwanzig Bier, die sich das gegnerische Team vorher in Rekordzeit in die neuronale Dachrinne gescheppert hat. So hält man sich fest an der eigenen Wirksamkeit und kann weitaus einfacher erklären, warum andere nicht diesen bestimmten Punkt im Leben erreichen.

Dieses Eingeständnis des Glücks geht oft mit der Erkenntnis einher, dass man nicht zu den Menschen gehört, die deutlich mehr Pech in ihrer Biografie hatten. Und das ist das nächste Problem. Man will ja weiter dazugehören. Man will nicht offen zugeben, dass man einen besseren Status hat. So erzählt Olaf Scholz, dass er noch immer zur Mittelschicht gehöre, oder die alte Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich mache, wird aus dem Sack gezaubert. Es ist natürlich nur Zufall, dass sie ihre Freundschaften weitaus seltener zu ärmeren Menschen pflegen. Man läuft sich halt so selten über den Weg, wie soll da denn etwas entstehen? Da kann man ja nun wirklich nichts dran ändern.

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von Malte Küppers

Aktuelle Veranstaltungen

Sonstiges

07. März

2026

13:00 Uhr

Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, Rhader Weg 5, 44388 Dortmund

„Sehnsucht im Koffer“: Arbeit und Migration in der Literatur. Tag der Archive!

Anlässlich des Tags der Archive lädt das Fritz-Hüser-Institut dazu ein, Literatur zu lesen und zu hören, die über Erfahrungen von Aufbruch und Ankommen, Fremdsein und Zugehörigkeit erzählen.

Ein besonderer Höhepunkt des Nachmittags ist die Lesung des Schriftstellers Franco Biondi, der zudem mit der Literaturwissenschaftlerin und Kuratorin Aurora Rodonò über seine Erfahrungen sprechen wird, in den 1970er-Jahren die interkulturelle Literatur im deutschsprachigen Literaturbetrieb zu etablieren.

Franco Biondi wurde 1947 in Forlì geboren und lebt seit über 60 Jahren in Deutschland. Seine ersten literarischen Texte erschienen 1973. Er hat die interkulturelle Literatur im deutschsprachigen Literaturbetrieb etabliert, wirkte in einer italodeutschen literarischen Initiative und beim Werkkreis Literatur der Arbeitswelt mit und war Initiator und Mitbegründer von PoLiKunst. Ein Teil seines Vorlasses wird im Archiv des FHI verwahrt.

Programmpunkte:

13:15 Uhr–13.45 Uhr: Archivführung – ein Blick hinter die Kulissen

14:30–16:00 Uhr: Lesung und Gespräch mit Franco Biondi. Moderation: Aurora Rodonò

16:15–16:45 Uhr: Archivführung – ein Blick hinter die Kulissen

Bonus 1: In einer Kabinettausstellung zeigen wir ausgewählte Texte, Objekte, Grafiken und Gemälde aus unserem Archiv.

Bonus 2: Eine Lesestation lädt zum selbstständigen Entdecken literarischer Texte ein.

Bonus 3: Eine Schreibwerkstatt bietet Gelegenheit, selbst kreativ zu werden und eigene Gedanken zum Thema festzuhalten.

Veranstalter: Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt

Tickets in €: frei

Lesung, Literatur und Musik

08. März

2026

19:30 Uhr

Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna, Lindenplatz 1, 59423 Unna

Musikalische Lesung: Anneke Lubkowitz „Rebellinnen zu Fuß“ und Sümeyye Ergün

Was hat Wandern mit Freiheit und weiblicher Selbstbestimmung zu tun? In ihrem erzählenden Sachbuch geht Anneke Lubkowitz der Frage nach. Die Lesung wird begleitet von Sümeyye Ergün an der Gitarre.

Anneke Lubkowitz lehnt an einer Mauer, leicht verschränkte Arme

Anneke Lubkowitz, Foto: Dominique Meienberg

Wer zu Fuß unterwegs ist, spazierend, wandernd, hat Zeit, die Landschaft zu betrachten, die Gedanken fließen zu lassen, Gespräche zu führen. Wandernd kann man vom Weg abkommen, neue Wege betreten, sich verlaufen, wieder zurückfinden oder mit Gewinn an neuen Orten landen. Wandergeschichten aber sind, Ausnahmen bestätigen die Regel, historisch eher Männer- denn Frauengeschichten. Caspar David Friedrichs Wanderer über dem Nebelmeer zeigt nicht von ungefähr einen Mann, der sich die Welt zu Füßen legt. Dabei sind im Verlauf der Menschheitsgeschichte natürlich auch Frauen gelaufen – freiwillig oder unfreiwillig, nicht selten entweder mit Erlaubnis der Männer oder gegen deren Verbot. Das freie Umherlaufen als Frau mussten sich die Rebellinnen zu Fuß, von denen Anneke Lubkowitz in ihrem erzählenden Sachbuch erzählt, oftmals erst erkämpfen. Sophie von La Roche, Bettina Brentano, Karoline von Günderrode, Mary Shelley, Annette von Droste-Hülshoff, Mathilde Franziska Anneke, Emmy Hennings, Else Lasker-Schüler, Simone de Beauvoir, Annemarie Schwarzenbach und Octavia E. Butler – die Liste derjenigen, die hier zu Wort kommen, deren Geschichten erzählt und in deren Fußstapfen wir treten können, umfasst ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Eines aber zeigen alle Biografien: Beim Wandern geht es um mehr als die Eroberung von Landschaften. Es geht um Freiheit, Selbstbestimmung und einen weiblichen Blick auf die Natur.

Anneke Lubkowitz, 1990 geboren, hat in Berlin und Edinburgh Literaturwissenschaften studiert und über Nature Writing promoviert. 2020 erschien die von ihr herausgegebene Anthologie Psychogeografie. Als begeisterte Wanderin hat sie verschiedene Texte über Streifzüge durch Berlin veröffentlicht, und auch die Umgebung von Münster, wo sie inzwischen lebt, erkundet sie am liebsten zu Fuß.

Am Internationalen Frauentag 2026 liest Anneke Lubkowitz aus ihrem Buch "Rebellinnen zu Fuß" und wird dabei begleitet von der Gitarristin Sümeyye Ergün.

In Sümeyye Ergüns Biografie ist der Gedanke der Bewegung, der sich auch im Wandern findet, eingeschrieben: geboren 1996 in der türkischen Mittelmeermetropole Izmir, kam sie 2014 zum Studieren ins ostwestfälische Detmold und machte sich dort bereits während des Studiums durch ihren musikalischen Brückenschlag zwischen klassischer Gitarre, Pop- und Jazz-Gesang sowie als Ensemblemusikerin einen Namen. Gefördert wurde sie unter anderem durch ein Stipendium der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Musikhochschule Detmold und durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW. Ihre musikalische Vielseitigkeit stellte sie auch in ihrem Projekt Duo Nashira unter Beweis, in dem sie zusammen mit der Sängerin und Schauspielerin Burçin Keskin ostanatolische Volkslieder in populärem Gewand aufbereitete. Sümeyye Ergün lebt und arbeitet als Solo-Künstlerin und Musikschullehrerin in Köln.

Die Veranstaltung ist Teil der Aktionswoche zum Internationalen Frauentag 2026, die das Amt für Kultur und Weiterbildung gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten der Kreisstadt Unna am und in der Woche nach dem 08. März 2026 veranstaltet. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen zu einem bunten Reigen an Veranstaltungen. Im Fokus stehen Frauen, die ihre eigenen Wege gegangen sind, zum Teil ganz wortwörtlich. Am 08.03.2026 werden außerdem in einem Festakt gleich zwei Jubiläen gefeiert: 2026 wird das Mädchen- und Frauennetzwerk Unna 30 Jahre alt, außerdem hat 1986, also vor dann 40 Jahren, die erste Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Unna ihren Dienst angetreten. Zwei Gründe mehr, in einer Aktionswoche auf die Errungenschaft und weiterhin bestehenden Herausforderungen der Frauenrechte zu schauen.

Die Veranstaltungen ist kostenfrei, um Anmeldung unter gesine.heger@stadt-unna.de wird gebeten.

Veranstalter: Amt für Kultur und Weiterbildung Kreisstadt Unna, Gleichstellungsbeauftragte Kreisstadt Unna

Tickets in €: frei

Lesung, Lesung und Gespräch

08. März

2026

20:00 Uhr

Kammerspiele, Königsallee 15, 44789 Bochum

Nelio Biedermann „Lázár“

Ein Roman wie eine Welt: Die überwältigende Saga einer ungarischen Familie, getrieben von der Liebe und der Sehnsucht nach ihr, in den Strudeln des 20. Jahrhunderts.

Buchcover vom Rowohlt Verlag

Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos’ Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den zwanziger Jahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista – der das Dunkle so liebt – müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen – und lernen, gegen sie zu bestehen.

Ein Roman wie eine Welt, die überwältigende Saga einer Familie, getrieben von der Liebe und der Sehnsucht nach ihr, in den Strudeln des 20. Jahrhunderts. Fesselnd und berührend, zugleich voller Leichtigkeit, voller Träume und Geheimnisse, in denen sich die ganze Tragik und Schönheit der Existenz spiegelt. Und – ob angesichts historischer Katastrophen oder schöner Sommertage – die ewige Frage, wie man leben soll.

Nelio Biedermann, geboren 2003, ist am Zürichsee aufgewachsen. Seine Familie stammt väterlicherseits aus ungarischem Adel, seine Großeltern flohen in den 1950er Jahren in die Schweiz. Biedermann studiert Germanistik und Filmwissenschaft an der Universität Zürich. Sein Roman Lázár wird in mehr als zwanzig Ländern erscheinen und wurde 2025 zum Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen gewählt.

Veranstalter: Schauspielhaus Bochum

Tickets in €: 22,- / € 17,- (erm.)

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Lesezirkel

Großes Finale im Lesezirkel mit „Paradise Garden“ von Elena Fischer

Der Lesezirkel wurde Ende 2023 eingestellt. Hier finden Sie aber noch alle Leserunden.

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