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Glück gehabt

Es fällt Menschen oftmals schwer, sich einzugestehen, dass sie einfach großes Glück hatten. Ihr Vermögen haben sie sich erarbeitet, selbst wenn es vor allem durch den Tod eines Verwandten auf dem Konto gelandet ist. Der Erfolg in Film, Musik oder Internet rührt von den eigenen Anstrengungen her und nicht davon, dass eventuell die richtigen Personen zur richtigen Zeit ein Auge auf die damals noch weitaus weniger erfolgreichen Kunstschaffenden geworfen haben. Wer am Kickertisch gewonnen hat, tat dies aufgrund der eigenen Bestleistung und nicht wegen der zwanzig Bier, die sich das gegnerische Team vorher in Rekordzeit in die neuronale Dachrinne gescheppert hat. So hält man sich fest an der eigenen Wirksamkeit und kann weitaus einfacher erklären, warum andere nicht diesen bestimmten Punkt im Leben erreichen.

Dieses Eingeständnis des Glücks geht oft mit der Erkenntnis einher, dass man nicht zu den Menschen gehört, die deutlich mehr Pech in ihrer Biografie hatten. Und das ist das nächste Problem. Man will ja weiter dazugehören. Man will nicht offen zugeben, dass man einen besseren Status hat. So erzählt Olaf Scholz, dass er noch immer zur Mittelschicht gehöre, oder die alte Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich mache, wird aus dem Sack gezaubert. Es ist natürlich nur Zufall, dass sie ihre Freundschaften weitaus seltener zu ärmeren Menschen pflegen. Man läuft sich halt so selten über den Weg, wie soll da denn etwas entstehen? Da kann man ja nun wirklich nichts dran ändern.

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von Malte Küppers

Aktuelle Veranstaltungen

Leseshow, Literatur und Musik, Lyrik

30. August

2026

18:30 Uhr

Wunderland, An der Jahrhunderthalle 1, 44793 Bochum

Ruhrtriennale: Spoken Acts – Orliane Yomi mit Noah Weber

In Orliane Yomis Lecture Performance verschmelzen Literatur, Live-Musik und Sounddesign miteinander zu einer Geschichte über die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben als dichtende Frau.

Orliane Yomi, Foto: Stella Rome

„Eine Ode ans Wachsen,
ans stetige Kümmern und Sorgen
Um mich selbst.“
aus „ Mein Garten wächst stetig und erblüht“ von Orliane Kamwa Kemadjou
Orliane Yomi ist eine Poetin aus dem Ruhrgebiet. Ihre Werke bewegen sich zwischen Schwarzem Feminismus, afrodiasporischer Popkultur und poetischer Selbstreflexion. Sie verbindet persönliche Erfahrung mit kollektiver Erinnerung und entwickelt daraus eine Sprache, die Spiritualität, Identität und Selbstermächtigung vereint. Ihre Texte erschienen unter anderem im Flintasy Magazin und im Afrodeutsch Magazin und in der Brache (Zeitung für neue Literatur aus dem Ruhrgebiet).

Zur Ruhrtriennale kommt sie mit einer interdisziplinäre Lecture Performance, in der Literatur, Live-Musik und Sounddesign miteinander verschmelzen. „Der Orangendieb“ erzählt von der Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben als dichtende Frau. Noah Weber übersetzt diesen inhaltlichen Kern in eine feinfühlige akustische Kulisse: Mit warmen Neo-Soul-Melodien greift er das Motiv der Selbstbestimmung auf, lässt im Sounddesign aber auch eine leichte Tristesse mitschwingen, um die zugrundeliegende Sehnsucht und Melancholie spürbar zu machen.
Noah Weber ist Musiker, Tontechniker und Produzent aus Bochum. In der aktuellen Spoken-Word-Performance „Der Orangendieb“ zeichnet er für die musikalische Begleitung verantwortlich und gestaltet das klangliche Fundament der Inszenierung.

Was bewegt die junge Szene im Ruhrgebiet? Spoken Acts ist unsere Bühne für Nachwuchsautor*innen aus der Region. In diesem Format zwischen Lesung, Performance, Stand-Up Comedy und Diskurs finden ganz unterschiedliche Autor*innen auf völlig andere Arten und Weisen Worte für das, was sie umtreibt. Alle kommen aus dem Pott und nehmen in ihren Werken Bezug auf die Region.

Veranstalter: Ruhrtriennale 2026

Tickets in €: frei

Buchvorstellung, Lesung, Lesung und Gespräch

31. August

2026

19:30 Uhr

Buchhandlung Proust, Am Handelshof 1, 45127 Essen

Sibel Schick „Mein Körper, wessen Entscheidung?“

Die Gesellschaft rückt nach rechts, der gebärfähige Körper wird zum Politikum. Bestechend klug analysiert Sibel Schick, warum mit unseren Körpern keine Politik gemacht werden darf.

Sibel Schick, Foto: Cihan Çakmak

Sibel Schick, Foto: Cihan Çakmak

Dass Schwangerschaftsabbrüche Leben retten können, hat Sibel Schick am eigenen Leib erfahren. Und auch, gegen welche Widerstände sie ankämpfen musste, bevor der rettende Eingriff durchgeführt wurde. Körperliche Selbstbestimmung ist aber keine Privatsache: Ob und unter welchen Bedingungen wir Kinder bekommen wollen, ist hochpolitisch. Reproduktive Freiheit wird heute unter Strafe gestellt, Staaten bestimmen über den Zugang zu medizinischer Versorgung – auch in Deutschland. Berührend und kämpferisch zeigt Schick, dass echte Gerechtigkeit in einer gemeinsamen Befreiung liegt.

Sibel Schick, 1985 in Antalya geboren, ist freie Autorin, Journalistin und Kolumnistin. Sie ging 2009 nach Deutschland, seit 2015 schreibt sie Texte über Feminismus, Rassismus und die Türkeipolitik. Ihr neues Buch "Mein Körper – wessen Entscheidung?" ist zuletzt beim S.Fischer Verlag erschienen.

Veranstalter: Buchhandlung Proust

Tickets in €: 15,-

Leseshow

01. September

2026

18:00 Uhr

Zeltfestival Ruhr, Kemnader See, Querenburger Str. 35, 58455 Witten

AUSVERKAUFT! TresenLesen: Anderntags nach Andernach – Mit TresenLesen durch die Zeit, Teil 1: 1992 bis heute

Das Kabarettduo bestehend aus Frank Goosen und Jochen Malmsheimer kommt mit seinem Programm zurück an den Tresen.

Jochen Malmsheimer und Frank Goosen, Foto: Malmsheimer

Jochen Malmsheimer und Frank Goosen kehren in ihrer Entität als Tresenlesen zurück auf die Bühnen dieses Landes, das in ihrer Abwesenheit die Währung gewechselt und auch sonst einige Dummheiten angestellt hat. Und wieder sitzt der glücklose König Edward, der vierte Steward auf dem Thron seiner Väter in der großen Halle, immer noch geht es beim Spiel Partisan Stollenterror gegen Wacker Wermelskirchen im Lambert-Hamel-Stadion zu Zweilütschinen hoch her, während der Borderline-Service weiterhin im More-Miles-Muffin-Modus angeboten wird und so mancher Kleiderschrank seines Aufbaus harrt. Die Herren werfen erinnerungsumflort manchen Blick zurück und vielleicht auch gegenwartsbesessen einen oder zwei seitwärts oder zukunftsfroh nach vorne, denn das Auge liest bei Günther würdevoll und preiswert mit. Seltsam? Aber so steht es geschrieben. Und zwar hier. Und jetzt werden wir alle Schweden. Omen!

Veranstalter: Zeltfestival Ruhr

Tickets in €: 42,50

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Lesezirkel

Großes Finale im Lesezirkel mit „Paradise Garden“ von Elena Fischer

Der Lesezirkel wurde Ende 2023 eingestellt. Hier finden Sie aber noch alle Leserunden.

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