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reden

Glück gehabt

Es fällt Menschen oftmals schwer, sich einzugestehen, dass sie einfach großes Glück hatten. Ihr Vermögen haben sie sich erarbeitet, selbst wenn es vor allem durch den Tod eines Verwandten auf dem Konto gelandet ist. Der Erfolg in Film, Musik oder Internet rührt von den eigenen Anstrengungen her und nicht davon, dass eventuell die richtigen Personen zur richtigen Zeit ein Auge auf die damals noch weitaus weniger erfolgreichen Kunstschaffenden geworfen haben. Wer am Kickertisch gewonnen hat, tat dies aufgrund der eigenen Bestleistung und nicht wegen der zwanzig Bier, die sich das gegnerische Team vorher in Rekordzeit in die neuronale Dachrinne gescheppert hat. So hält man sich fest an der eigenen Wirksamkeit und kann weitaus einfacher erklären, warum andere nicht diesen bestimmten Punkt im Leben erreichen.

Dieses Eingeständnis des Glücks geht oft mit der Erkenntnis einher, dass man nicht zu den Menschen gehört, die deutlich mehr Pech in ihrer Biografie hatten. Und das ist das nächste Problem. Man will ja weiter dazugehören. Man will nicht offen zugeben, dass man einen besseren Status hat. So erzählt Olaf Scholz, dass er noch immer zur Mittelschicht gehöre, oder die alte Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich mache, wird aus dem Sack gezaubert. Es ist natürlich nur Zufall, dass sie ihre Freundschaften weitaus seltener zu ärmeren Menschen pflegen. Man läuft sich halt so selten über den Weg, wie soll da denn etwas entstehen? Da kann man ja nun wirklich nichts dran ändern.

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von Malte Küppers

Aktuelle Veranstaltungen

Lesung und Gespräch

16. März

2026

19:00 Uhr

Rohrmeisterei Schwerte, Ruhrstrasse 20, 58239 Schwerte

Eva von Redecker „Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus“

Es geht ein Rechtsruck um die Welt, überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss. In Redeckers wegweisender Analyse gewinnt das diffuse Wesen des Faschismus an Kontur und wird angreifbar.

copyright Sophie Brand

Eva von Redecker, Foto: Sophier Brand

Es geht ein Rechtsruck um die Welt, überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss.
Und doch laufen die ewig bemühten Analogien zur Zeit des Nationalsozialismus ins Leere: Der Faschismus der Gegenwart hat eine neue Gestalt, die nicht leicht zu erkennen und noch schwerer zu erklären ist. In Redeckers wegweisender Analyse gewinnt sein diffuses Wesen an Kontur – und wird angreifbar. Seinen Kern verortet sie in der Beschwörung eines unbedingten Besitzanspruchs, dessen Verteidigung über Leichen geht. Ein erhellendes und widerständiges Buch, das Verbundenheit gegen die um sich greifende Härte unserer Zeit stellt. Eva von Redeckers bahnbrechende Faschismusanalyse.

Eva von Redecker, geboren 1982, ist Philosophin und freie Autorin.
Nach Stationen an der Humboldt- Universität, der Cambridge University sowie der New School for Social Research in New York, schreibt sie heute Beiträge für u.a. »Die ZEIT«. Am Schauspielhaus Hamburg veranstaltet sie eine eigene Gesprächsreihe. Bei S. FISCHER erschienen zuletzt ihre Bücher »Bleibefreiheit« (2023) und »Revolution für das Leben« (2020). Sie lebt im ländlichen Brandenburg.

Veranstalter: Bürgerstiftung Rohrmeisterei

Tickets in €: 15,-

Buchvorstellung, Gespräch, Lesung, Lesung und Gespräch

16. März

2026

20:00 Uhr

Zentralbibliothek, Steinsche Gasse 26, 47051 Duisburg

47. Duisburger Akzente: Saša Stanišić „Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird“

Saša Stanišić über das Geheimnis guter Reden: Der Schriftsteller versucht mit starken Ideen Lebenswirklichkeit, Empathie und gesellschaftliches Engagement zu vermitteln.

Saša Stanišić, Foto: Magnus Terhorst

Hilft ja nix: Wir müssen den Härten und dem Leid der Menschen etwas entgegensetzen. Krieg, Armut, Faschismus, was alles noch. Jeder kann was tun, jeder. Was geben, wo helfen, so was. Verantwortung übernehmen. Wenn schon alles den Bach runtergeht, dann wenigstens in Würde, verdammte Axt. Saša Stanišić Reden gegen das Nichtstun. Gehaltene und ungehaltene.

Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Werke wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt und viele Male ausgezeichnet. Saša Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg. Er ist dort Fußballtrainer einer F-Jugend.

Die Lesung findet im Rahmen der 47. Duisburger Akzente "Begegnungen – was uns trennt, was uns verbindet“ statt.
Moderation: Anke Johannsen

In Kooperation mit der Buchhandlung Scheuermann.

Veranstalter: Stadtbibliothek Duisburg

Tickets in €: AK € 8,- / VVK € 6,-

Buchvorstellung, Lesung

17. März

2026

19:30 Uhr

Soziokulturelles Zentrum Stapeltor, Stapeltor 6, 47051 Duisburg

47. Duisburger Akzente: Nadia Pantel „Das Camembert-Diagramm“

Nadia Pantel wirft einen ganz neuen Blick auf Leben, Kultur und Gesellschaft Frankreichs – und zwar anhand des populärsten französischen Exportguts, des Essens.

Buchcover: Rowohlt Berlin

Kaum ein anderes Land zieht uns so sehr an wie Frankreich – aber wie genau kennen wir unseren wichtigsten Nachbarn eigentlich? Nadia Pantel wirft einen ganz neuen Blick auf Leben, Kultur und Gesellschaft des Landes – und zwar anhand des populärsten französischen Exportguts, des Essens. Sie führt uns in vertraute und unbekannte Gegenden und zeigt mit wunderbarem Charme und Witz, wie eng in Frankreich Essen mit Politik, Gesellschaft und Geschichte verbunden ist. Pantel nimmt uns mit in eine Bretterbude in der Bretagne, wo ein Dutzend Austern für Luxus stehen, den sich jeder leisten kann; sie denkt beim Pain au chocolat über Mutterschaft und Kindererziehung nach, bei einem Bœuf Mafé im Sternerestaurant über Kolonialismus, bei den Sammlern von Camembert-Etiketten in der Normandie über die gesellschaftlichen Niedergangsdiagnosen oder am Würstchengrill der Gelbwesten über die anhaltenden Unruhen im Land und erörtert mit dem «Steak-frites-Nationalismus» die heiklen Auswüchse der politischen Kulinarik. Ein originelles, sinnenfrohes Porträt – und zugleich eine genussvolle Einladung, Frankreich mit anderen Augen zu entdecken.

Nadia Pantel, geboren 1982, studierte in Freiburg im Breisgau, Berlin und Krakau Geschichte und Germanistik. Von 2018 bis 2022 war sie für die «Süddeutsche Zeitung» Korrespondentin in Frankreich, lebte in Paris und bereiste das ganze Land. In dieser Zeit schrieb sie ihre erfolgreiche Kolumne «La Boum» über ihren Pariser Alltag. Seit 2022 ist sie Reporterin für den «Spiegel», schreibt weiterhin über Frankreich, zusätzlich aber auch über Mittel- und Osteuropa. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie unter anderem mit dem Deutschen Reporterpreis (2021), dem Deutsch-Französischen Journalistenpreis und dem Herbert-Riehl-Heyse-Preis (2023) ausgezeichnet.

Ticketreservierungen per Mail an c.richert@stadt-duisburg.de

Eine Lesung in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der 47. Duisburger Akzente, die unter dem Thema
"Begegnungen – was uns trennt, was uns verbindet" vom 27. Februar bis 22. März 2026 stattfinden.
Die 47. Duisburger Akzente werden in Kooperation mit der Landesregierung NRW und der Sparkasse Duisburg veranstaltet.

Veranstalter: Deutsch-Französische Gesellschaft Duisburg, Duisburger Akzente

Tickets in €: 5,-

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Großes Finale im Lesezirkel mit „Paradise Garden“ von Elena Fischer

Der Lesezirkel wurde Ende 2023 eingestellt. Hier finden Sie aber noch alle Leserunden.

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