wir
reden

Garten

Der Himmel ist blau. Mit ein bisschen Feinstaub drin.

Unsere Nachbarn besitzen jetzt Hühner. Und einen neuen Grill.

Wir graben ein Loch, finden einen Gegenstand aus Metall.

Es könnte eine Granate sein. Oder doch nur ein Gegenstand aus Metall. Wir buddeln das Loch wieder zu und pflanzen Lavendel. Lavendel beruhigt.

Unsere Nachbarn besitzen einen Baum. Nicht die Nachbarn mit den Hühnern, die anderen. Und im Baum nistet eine Taube. Ohne Taube geht es nicht. Manchmal fliegt sie in unseren Garten, um das Rotkehlchen von der Teppichstange zu verjagen. Dann jagen wir die Taube davon.

Lieber das Rotkehlchen auf der Teppichstange als die Taube im Baum. So sagt man doch.

Lieber die Taube im Baum als die Granate im Blumenbeet. So sagen unsere Nachbarn.

Freunde kommen zu Besuch.

„Das ist aber ein schöner Hinterhof.“, sagen sie.

„Garten“, sagen wir. „Seht ihr nicht da vorne, den Rasen?“

Sie runzeln die Stirn und wir lassen sie am Lavendel riechen.

von Sarah Jäger

Aktuelle Veranstaltungen

Buchvorstellung, Gespräch, Lesung, Lesung und Gespräch

29. Mai

2026

19:30 Uhr

Nicolaihaus, Nicolaistraße 3, 59423 Unna

Denis Pfabe „Die Möglichkeit einer Ordnung“

Der Baumarkt als Mikrokosmos: Denis Pfabe nimmt uns mit an einen literarisch unverbrauchten Schauplatz und lässt im Banalen entlarvende Erkenntnis, im Vertrauten schrägen Witz aufblitzen.

Denis Pfabe, Foto: Allan Larsen

Levin Watermeyers Leben ist der Baumarkt. Schon immer arbeitet er dort, glaubt, alle Kolleg:innen und ihre Schrullen, ihre Intrigen gegen- und Affären miteinander zu kennen - und er ist zufrieden. Aber dann bekommt seine komfortable Welt Risse. Der Baumarkt soll expandieren, schluckt Konkurrenten, und die undurchschaubare Pina Sommerfeldt, die eigene Ziele verfolgt, muss eingearbeitet werden. Watermeyers Welt wankt, er beginnt, alles zu hinterfragen. Und da ist noch Gesine Wächter, die sich an Ruiz heranmacht, den Chef und Workaholic. Der erhöht beständig den Druck, um der Performance gerecht zu werden - bis Umweltschützer:innen auf dem Expansionsgelände ein Biotop der Gelbbauchunke vermuten. Mit dem Stillstand aller Pläne droht die Situation zu explodieren.

Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Fritz-Hüser-Gesellschaft e.V. anlässlich des 100. Geburtstags Max von der Grüns spricht Denis Pfabe mit Judith Merchant über sein neues Buch "Die Möglichkeit einer Ordnung" und die moderne Arbeitswelt.

Denis Pfabe erzählt mitten aus der Gegenwart: ein deutscher Mikrokosmos aus Kolleg:innen und Kund:innen, von der Flaute im Winter bis zum Trubel in der Saison. Menschen im Zeitalter der totalen Kommerzialisierung, der Konsum- und Smartmentalität und Hochskalierung von Geschäftsmodellen - ein Bild unserer Gesellschaft, packend, literarisch originell, zuweilen böse und sehr unterhaltsam.

Denis Pfabe, geboren 1986 in Bonn, ist gelernter Kaufmann im Einzelhandel und studierte Medienkommunikation und Journalismus in Köln. Er ist Absolvent der Bayerischen Akademie des Schreibens, war Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa am Literarischen Colloquium Berlin und erhielt das Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW. Denis Pfabe lebt in Bonn und fährt drei Tage die Woche Gabelstapler in einem Baumarkt. Sein hochgelobter Debütroman "Der Tag endet mit dem Licht" erschien 2018, "Simonelli" folgte 2021. Im Jahr 2024 erhielt er den Deutschlandfunkpreis bei den 48. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.

Judith Merchant ist Literaturwissenschaftlerin und Autorin aus Bonn. Für ihre Kurzgeschichten wurde sie zweimal mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet. Nach der Veröffentlichung ihrer Rheinkrimi-Serie erschein 2019 ihr Thriller "ATME!" und wurde zum Bestseller, 2021 folgte "SCHWEIG!".

Da die Plätze begrenzt sind, wird um vorherige Anmeldung gebeten: Tel.: (02303) 96 38 50, E-Mail: info@wlb.de

Veranstalter: Westfälisches Literaturbüro in Unna e.V., Fritz-Hüser-Gesellschaft e.V.

Tickets in €: frei | Pay what you want

Lesung und Gespräch

29. Mai

2026

19:30 Uhr

literaturhaus.dortmund, Neuer Graben 78, 44139 Dortmund

Thomas Nicolai „Maulberg“

Zum 400-jährigen Dorfjubiläum von Maulberg in Nordsachsen soll es mit TV-Programm, Ostprodukten und vielem mehr zurück in die DDR gehen. Doch das Experiment läuft aus dem Ruder.

Buchcover vom Satyr Verlag

Ein Dorf in Nordsachsen spielt noch einmal DDR, für einen Monat und mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Eine satirische Farce gegen unkritische Ostalgie, wie sie aktueller kaum sein könnte. Deutschland im Jahr 2016. Das Dortmunder Ehepaar Beate und Peter Sendler, beide Mitte fünfzig (sie: frustrierte Erzieherin, er: erfolgloser Dokumentarfilmer), zieht ins sächsische Dorf Maulberg und erlebt dort nicht nur eine friedliche Idylle des Miteinanders, sondern auch die Sehnsucht vieler Bewohner nach der "guten alten" DDR. Dass ausgerechnet der Zugezogene die Idee hat, ist für die Maulberger schwer zu akzeptieren, doch der Gedanke ist zu verlockend: Zum 400-jährigen Dorfjubiläum beschließt der Ort ein Experiment: vier Wochen lang zurück in die DDR – mit allem Drum und Dran: altem TV-Programm, Ostprodukten im Supermarkt, der natürlich wieder »Kaufhalle« heißt, mit Pioniertüchern und Republikgeburtstag. Doch das Experiment läuft aus dem Ruder, denn die Maulberger in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Veranstalter: literaturhaus.dortmund

Tickets in €: 5,- / frei (erm.)

Lesung und Gespräch, Literatur und Musik

29. Mai

2026

19:30 Uhr

Haus Schulte-Witten, Wittener Str. 3, 44149 Dortmund

Wortrevue: Umstrittene Werke der Weltliteratur

Über Zensur und Gedankenfreiheit: Schauspielerin Claudia Gahrke und Pianist Marius Pietruszka erzählen faszinierende Geschichten zu einstigen Skandalbüchern und ihren Verfassern.

Marius Pietruszka, Claudia Gahrke

Galileo Galilei und Gustave Flaubert haben etwas gemeinsam: Ihre Bücher beschäftigten die Zensoren und Sittenwächter. Nachdem Galileo Galilei festgestellt hatte, dass "die Erde sich bewege und nicht der Mittelpunkt der Welt sei", wurde der Astronom von der Inquisition der Ketzerei bezichtigt und dessen Schriften verboten. Gerichtstermine, Verkaufsverbote... so erging es über die Jahrhunderte auch vielen anderen Autorinnen und Autoren. Je nach Zeitgeist griffen die vermeintlichen Hüter von Sitte und Anstand ein, um die Verbreitung unliebsamer Gedanken zu verhindern und deren Verfasser zum Verstummen zu bringen. Doch sie bewirkten das Gegenteil: Die Bücher wurden heimlich gelesen und schließlich Kult. So zählt Flauberts "Madame Bovary" bis heute zu den großen, emanzipatorischen Werken der Weltliteratur.

Ein Abend über Zensur und Gedankenfreiheit: In dieser musikalischen Wortrevue greifen die Schauspielerin Claudia Gahrke (Wortrevue-Girl) und der Pianist Marius Pietruszka (Experte am Flügel) in den „literarischen Giftschrank“ und erzählen faszinierende Geschichten zu einstigen Skandalbüchern und ihren Verfassern. Mit Texten von Bret Easton Ellis, Loriot, Charles Baudelaire, Vladimir Nabokov, Gustave Flaubert, Salman Rushdie, Thomas Bernhard, u.a.

Wegen begrenzter Platzanzahl ist eine Voranmeldung erforderlich:
Per Mail schultewittenhaus@stadtdo.de oder telefonisch 0231 5023 237

Veranstalter: Stadt- und Landesbibliothek Dortmund

Tickets in €: frei

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Lesezirkel

Großes Finale im Lesezirkel mit „Paradise Garden“ von Elena Fischer

Der Lesezirkel wurde Ende 2023 eingestellt. Hier finden Sie aber noch alle Leserunden.

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